Aufstand der Unzufriedenen


..... 450 warme Tellergerichte hat Caterer "Cultina" anfangs täglich ausgegeben, seit Ostern gibt es die gar nicht mehr. Der Umsatz war derartig eingebrochen, dass Cultina-Chef Joachim Klostermeyer Koch und Küchenhilfe entlassen haben soll. Jetzt gibt es noch (warme) Snacks.

Dabei war Cultina ursprünglich zur warmen Verpflegung, auf Porzellan serviert, vertraglich verpflichtet gewesen. Ende Juni war der zwischen Caterer, Schule und Stadt ausgehandelte Vertag unterzeichnet worden. Knapp zwei Monate später, noch vor Mensa-Eröffnung und Schuljahresbeginn, wurde ein Paragraph bereits wieder abgeändert - in einen "Persilschein". Da sind sich Günter Augustin, Friedhelm Möller (beide SPD), Dieter Freyer, Andreas Schröder (beide Freie Wähler) sowie Ute Hansing-Held und Thomas Reimeier (beide Grüne) einig. Wie sie einem Pressegespräch versicherten, hat die Bürgermeisterin die Politiker nicht über die Vertragsänderung informiert.

Verpflichtet war Dr. Herbort dazu nicht. Es handele sich um einen Verwaltungsvertrag, sagt sie auf Anfrage der Neuen Westfälischen, der also nicht den Rat durchlaufen habe. Mithin auch nicht die Änderung. Zu der Frage, warum eine Vertragsänderung schon vor Mensa-Eröffnung überhaupt notwendig geworden ist, möchte sich die Bürgermeisterin nicht äußern. Nur soviel: "Ich könnte eine Menge dazu sagen, aber der Vertragspartner hat einen Anspruch auf Nichtöffentlichkeit."

Darauf zieht sich auch Cultina-Chef Joachim Klostermeyer zurück, der sich im Gespräch mit der NW aber in Zuversicht übt. "Wir lösen das Problem." Ein Teil des Problems besteht offenbar darin, dass für Fast Food auf Papptellern oder in Kunststoffbehältern nur 7 Prozent Mehrwertsteuer abzuführen sind, für Speisen auf Porzellan aber 19. Dass das Porzellan in der Mensa jetzt eingemottet ist, sorgt auch bei Schulleiter Stefan Sudholt und Konrektorin Caro Brauneis für Unmut. "Mit großer Sorge und zunehmendem Missmut nehmen wir wahr", schreiben sie in einem Elternbrief, "dass die Verpflegung in der Mensa ein nicht mehr zu tolerierendes niedriges Niveau erreicht hat." Sie fordern, dass die klassische Mensa-Verpflegung durch einen 10.000-Euro-Zuschuss der Stadt an den Caterer wieder ermöglicht werden soll.

Den wollen SPD, Grüne und Freie Wähler wohl auch herausrücken, aber nur unter strengen Bedingungen, die den Mensa-Betrieb wieder in die Spur bringen sollen: saubere Räume, warmes, gesundes Essen, mittags kein Snackverkauf, wieder stabile Preise, pro ausgegebenem Tellergericht ein 40-Cent-Zuschuss und anderes mehr. Die Verwaltung will wesentlich zahmere Bedingungen stellen. Außerdem soll im nächsten Schulausschuss beschlossen werden, dass der Vertreter eines konkurrierenden Unternehmens sein Konzept vorstellen und ein Mitarbeiter des Bielefelder Schulamtes von seinen Erfahrungen berichten. Der Stadtrat tritt heute um 18.30 Uhr im Bürgerhaus zusammen.